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Martin Elsaesser – Vom Jugendstil zum Expressionismus 

ev. Stadtpfarrkirche Stuttgart-Gaisburg von Martin Elsaesser, 1911-13 © Foto: Rose Hajdu

Die Ausstellung „Otto Bartning – Architekt einer sozialen Moderne“ in der Städtischen Galerie Karlsruhe bietet uns den Anlass, einige Kirchenbauten seines Kollegen Martin Elsaesser zu besuchen. Auch er hat ein vielfältiges Lebenswerk hinterlassen: Wohnhäuser, Villen, Schul- und Krankenhäuser, Universitäten, die Markthalle in Stuttgart und die Großmarkthalle Frankfurt (heute – überbaut vom Architekturbüro Coop-Himmelb(l)au – Sitz der EZB). In jungen Jahren war Elsaesser ebenso ein wichtiger Vertreter des protestantischen Kirchenbaus. Bartning und Elsasser haben sich gekannt und sicher auch ausgetauscht. Sie entwickelten nahezu zeitgleich neue Ansätze für den protestantischen Kirchenbau und oft lässt sich nicht sagen: Wer hatte diese Idee zuerst – Bartning oder Elsaesser?

 

Für Bartning war der Gedanke der Gemeinschaft besonders wichtig: Die Kirche sollte in ihrer Form Abbild der Gemeinde sein, die sich im Raum während der Liturgie zu einer Gemeinschaft zusammenfand. Er experimentierte mit dem Stern, dem Kreis, dem Trapez. Alle diese Formen finden sich auch in den Entwürfen Elsaessers. Am schönsten brachte Elsaesser seine Intention der Verbundenheit in der Stadtpfarrkirche von Stuttgart-Gaisburg 1913 zur Geltung: Dem äußerlich rechteckigen Gebäude stellte er innen ein Oval ein, das die Gemeinde mit dem Pfarrer an Kanzel und Altar zu einer Gemeinschaft vereint. So entstand ein eleganter, in den Formen des Jugendstils gehaltener Innenraum.

Südkirche Esslingen, Blick in die Feierkirche © Foto: Rose Hajdu

Nach den Erschütterungen des 1. Weltkriegs suchten viele Menschen Zuflucht in Andacht, Meditation und „Orten der Geborgenheit“. Die oft nüchterne protestantische Predigtkirche konnte diese Ansprüche nicht erfüllen, so dass viele Gläubige zur katholischen Kirche mit ihren stimmungsvollen Räumen und einer die Sinne ansprechenden Liturgie abwanderten. Einige protestantische Kirchenbauer konzipierten daher in den ersten Nachkriegsjahren Räume mit betont sakralem Charakter. Ein nie realisiertes Beispiel ist Bartnings „Modell der Sternkirche“ von 1921. Elsaesser entwickelte 1919 das Modell einer „kleinen Volkskirche“, die er 1925/26 in überarbeiteter Form als Südkirche Esslingen ausführen konnte. Das Besondere: Die Kirche besteht aus zwei Teilen, nämlich einer eher sachlichen Predigtkirche und einer kleinen, sehr intimen Feierkirche auf einem runden Grundriss. Der feierliche Charakter dieses Raumes äußert sich in einem höhlenartigen Gewölbe und kleinen, farbenprächtig verglasten Fenstern. Zugleich ist der Raum ein sehr seltenes Beispiel für die Architektur des Expressionismus.

Den Abschluss der Fahrt bildet der Besuch der Christuskirche in Kirchheim/Teck, die Elsaesser als Arbeiterkirche in einem Industrievorort konzipiert hatte.

 

Sa 16.9.2017
Treffpunkt: Karlsruhe Hbf, 8 Uhr

Führung: Dr. Elisabeth Spitzbart

Gebühr: 52 € für Busfahrt, Führungen, Reiseleitung

 


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