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Leonhard Kern und Europa

Die Kaiserliche Schatzkammer Wien im Dialog mit der Sammlung Würth

Leonhard Kern, Schreitendes Dromedar, Sammlung Würth Inv. Nr. 13611, Foto Andi Schmid München

Die Wiener Kunst- und Schatzkammer ist die großartigste Sammlung ihrer Art weltweit. Von den Habsburgern gegründet und zu unvergleichlicher Größe und Pracht ausgebaut, enthält sie eine Fülle von Meisterwerken, die zu den Höhepunkten der europäischen Kunstgeschichte zählen. Dazu gehören auch die lebensvollen Skulpturen von Leonhard Kern (1588-1662), ein Ausnahmetalent, dem sich die Ausstellung auf noch nie gesehene Weise nähert.

 

Der im hohenlohischen Forchtenberg geborene Bildhauer Leonhard Kern besitzt eine besondere Verbindung zu Schwäbisch Hall. Nach seiner Bildhauerlehre bei seinem älteren Bruder in Würzburg unternahm er zunächst eine ausgedehnte Reiseätigkeit. Neugier, Auf-geschlossenheit, Reiselust und Durst nach intellektuellen Anregungen  führten ihn über Italien bis nach Nordafrika, was ihn später dazu befähigte, auch die ausgefallensten Anspruche seiner feudalen Auftraggeber zu befriedigen. Nach der Rückkehr in seine Heimat um 1615 führte ihn sein Weg an den Hof des Kurfürsten Friedrich V. nach Heidelberg. Nachdem er diese Stadt aufgrund des Dreißigjährigen Krieges verlassen musste, ließ er sich 1620 in Schwäbisch Hall nieder. Hier gründete er eine eigene Werkstatt, mit der er sich auf die Herstellung kleinfiguriger Kabinettstücke aus Elfenbein und Holz spezialisierte. Große Kunst im kleinen Format war damals ein Gebot der Stunde, als in der Folge des Dreißigjährigen Krieges das Geld für Großplastiken oft fehlte.

Leonhard Kern, Herakles und Hippolyte, Sammlung Wützh Inv.Nr. 17818, Foto Archiv Würth

Kerns umfangreicher Themenkreis umfasst mythologische und religiöse Arbeiten, aber auch seine Darstellungen der Schrecken des Krieges führten zu zunehmendem Erfolg seiner Werkstatt. Unter den Bildhauern des 17. Jahrhunderts sticht er aufgrund seines herausragenden Talents hervor. Seine hohe Bildung sowie die besondere Virtuosität und schöpferische Kreativität seiner Schnitzkunst in Kombination mit ästhetischer Perfektion waren für seinen Erfolg ausschlaggebend. Bereits zu Lebzeiten war er als Künstler geschätzt und seine Arbeiten im Besitz der Wunderkammern zahlreicher Adeliger und Fürsten vertreten, darunter auch besonders die Kaiserliche Schatzkammer in Wien.

In der Kunsthalle Würth werden diese nun erstmals im Kontext führender italienischer Meister von Renaissance, Manierismus und Barock gezeigt, darunter beispielsweise Andrea Mantegna und Giambologna.

 

Mittwoch, 19.05.21, 8 bis 19 Uhr

Treffpunkt: Karlsruhe Hbf, Busbahnhof

Leitung: Dr. Elisabeth Spitzbart

Gebühr: folgt, sobald die Rahmenbedingungen feststehen.

Für den Nachmittag ist ein Besuch im Hällisch-Fränkischen Museum vorgesehen, das u.a. weitere Figuren von Leonard Kern besitzt. Die Corona-Bedingungen haben auch in dieser Frage das letzte Wort.


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