Dienstag, 15. September 2026 - Anreise
Wir fahren von Karlsruhe Hbf um 8.05 Uhr mit dem Zug nach Wien, wo wir planmäßig um 15.32 Uhr ankommen.
Unser Hotel, das Motel One an der Staatsoper, liegt im Herzen der Stadt. Viele Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß erreichbar. Wir nutzen den späten Nachmittag für einen ersten Spaziergang.
Mittwoch, 16. September 2026 – Altstadt und Kunsthistorisches Museum
Den Vormittag beginnen wir mit zwei Highlights: dem Stephansdom und der Virgilkapelle.
Wien erreichte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Ausdehnung der heutigen inneren Altstadt. Ihr Herzstück ist der Stephansdom, der bedeutendste Sakralbau der Gotik in Österreich. Sein heutiges Erscheinungsbild ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Bauprozesses, in dem romanische Anfänge mit der Architektur der Hoch und Spätgotik verschmelzen. Besonders prägend ist der hohe Südturm, ein Meisterwerk gotischer Ingenieurskunst und zugleich städtisches wie geistliches Wahrzeichen der Stadt. Der reich skulptierte Westbau mit dem „Riesentor“ bewahrt romanische Formen, während sich in Chor und Langhaus der gotische Raumgedanke umsetzt, der ab dem 14. Jahrhundert mit dem Aufstieg des Hauses Habsburg entstand.
In unmittelbarer Nähe zum Stephansdom befindet sich eine echte Rarität: die mittelalterliche Virgilkapelle. Sie gehört zu den besterhaltenen gotischen Innenräumen der Stadt und wurde erst bei Bauarbeiten an der U-Bahn 1973 wieder entdeckt. Sie entstand um 1220/30 als Unterbau der Maria-Magdalena-Kapelle im Stil der Frühgotik. Die Kapelle ist längst verloren, der unterirdische Raum diente später als Andachtsraum für eine wohlhabende Wiener Kaufmannsfamilie. Schließlich geriet er in Vergessenheit, ehe er - mit Schutt verfüllt- beim Bau der U-Bahnstation am Stephansplatz wieder entdeckt und zugänglich gemacht wurde.
Durch die engen Gassen und prächtigen Boulevards der Wiener Altstadt und vorbei an beeindruckenden Bauwerken gehen wir vom Stephansplatz zum Michaelerplatz. Hier treffen wir auf ein zentrales Werk der Wiener Moderne: das Loos-Haus, erbaut zwischen 1909 und 1911 von dem Architekten Adolf Loos als Geschäftshaus für die Herrenschneiderei Goldman & Salatsch. Mit seiner damals ungewöhnlich schlichten Fassade stellte es einen radikalen Bruch mit dem vorherrschenden historistischen Baustil dar, zu seiner Entstehungszeit eine Provokation in unmittelbarer Nähe zur historischen Hofburg.
Gleich am Kohlmarkt befindet sich das traditionsreiche Café Demel, eines der bekannten Wiener Kaffeehäuser, das seit 1786 seine Gäste mit Köstlichkeiten verwöhnt.
Den Nachmittag verbringen wir im Kunsthistorischen Museum. In der Dichte und Qualität seiner Bestände spiegelt sich die Sammelleidenschaft der Habsburger wider, die das Haus zu einem zentralen Ort der europäischen Kunstgeschichte gemacht haben. In der Fülle der Möglichkeiten konzentrieren wir uns auf zwei Abteilungen. Besonders berühmt ist seine Sammlung der niederländischen Malerei des 15. bis 17. Jahrhunderts. Werke von Pieter Bruegel d. Ä. – darunter ikonische Gemälde wie der Turmbau zu Babel, die Monatsbilder oder die Bauernhochzeit – zeigen mit eindringlicher Bildkraft den Alltag, die Moralvorstellungen und das Weltverständnis der frühen Neuzeit.
Nicht minder herausragend ist die italienische Sammlung, die einen Bogen von der Frührenaissance mit Werken von Bellini und Giorgione bis zum Hochbarock spannt mit Meisterwerken von Tizian, Veronese, Tintoretto und Caravaggio.
Donnerstag, 17. September 2026 - Wien um 1900
Erste Station des heutigen Tages ist der Besuch des Leopold Museums, eines der bedeutendsten Museen für österreichische Kunst der Moderne. Das 2001 eröffnete Haus basiert auf der einzigartigen Privatsammlung von Rudolf und Elisabeth Leopold, die über fünf Jahrzehnte hinweg eine Sammlung von Werken aus dem 19. Jahrhundert sowie der klassischen Moderne zusammen getragen haben und diese 1994 in die Stiftung des Leopold Museums übertrugen.
Das Museum beherbergt einen umfangreichen Bestand von über 8.000 Kunstwerken aus der Zeit des Biedermeier über Jugendstil und Expressionismus bis hin zur Neuen Sachlichkeit. Ein Schwerpunkt liegt auf der weltweit größten Sammlung von Werken des österreichischen Malers Egon Schiele. Daneben umfasst die Sammlung herausragende Werke von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Richard Gerstl und vielen anderen Künstlern dieser Epoche. Neben Malerei und Grafik vermitteln auch Skulpturen, Fotografien und Objekte des Wiener Jugendstils wie Möbel, Keramik, Glas und Schmuck ein lebendiges Bild der kulturellen Vielfalt Wiens um 1900.
Vom Leopold Museum erreichen wir in einem kurzen Spaziergang den Naschmarkt und die Jugendstilhäuser an der Wienzeile. Seit dem 16. Jahrhundert erstreckt sich der langgezogene Markt zwischen Karlsplatz und Kettenbrückengasse. Hier spiegelt sich bis heute die Internationalität Wiens wider. Ursprünglich als Ort für den Verkauf von Milch, Obst und Gemüse entstanden, entwickelte er sich im Laufe der Zeit zu einem Treffpunkt für Kulinarik und Alltagskultur. Heute reihen sich rund 100 Marktstände, Cafés und kleine Restaurants aneinander, die ein breites Spektrum an Lebensmitteln, Gewürzen und Spezialitäten aus aller Welt anbieten, ein idealer Ort zum Schlendern und für eine kurze Mittagspause.
Der Naschmarkt ist auch ein Zentrum des Wiener Jugendstils. Hier finden sich drei herausragende Wohnhäuser, die der Architekt Otto Wagner Ende des 19. Jahrhunderts als frühe Beispiele des Wiener Jugendstils entwarf: Die Fassade des Majolikahauses an der Linken Wienzeile 40 (1898–1899) ist vollständig mit glasierten Keramikfliesen mit floralen Motiven bedeckt. Das Nachbarhaus Linke Wienzeile 38, genannt das Medaillon Haus, ist mit vergoldeten Medaillons des Künstlers Koloman Moser geschmückt. Und im Haus Köstlergasse 3 hat Wagner zeitweise selbst gewohnt. Die U-Bahn-Station Kettenbrückengasse liegt über dem Wienfluss zwischen Linker und Rechter Wienzeile beim Naschmarkt und wurde 1899 als Teil der Stadtbahn eröffnet – geplant im Zuge des großen Stadtbahnprojekts, für das Otto Wagner die künstlerische Gestaltung der Stationen entwarf. Nur wenige Gehminuten vom Naschmarkt entfernt befinden sich zwei weitere Wahrzeichen Wiens: das Wiener Secessionsgebäude sowie die Karlskirche.
Das Secessionsgebäude
Die Künstlergruppe der Wiener Secession, die sich um 1897 um Gustav Klimt, Josef Hoffmann und Koloman Moser gegründet hat, spaltete sich bewusst von der konservativen Künstlervereinigung im Künstlerhaus ab. Joseph Maria Olbrich errichtete um 1898 für die Gruppe ein eigenes Ausstellungshaus, das von einer vergoldeten Kuppel aus Lorbeerblättern bekrönt wird. Über dem Eingang steht das programmatische Motto: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“
Berühmt ist die Secession vor allem durch den Beethovenfries von Gustav Klimt (1902), eines der Hauptwerke des Wiener Jugendstils, das im Untergeschoss des Gebäudes zu sehen ist.
Karlskirche
Im Pestjahr 1713 gelobte Kaiser Karl VI. den Bau einer dem Hl. Karl Borromäus, dem Schutzpatron gegen die Pest ,geweihten Kirche, die 1716-1737 nach Plänen des Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet wurde. Wegen ihrer vielfältigen und zitatreichen Architektur gilt der Bau als programmatisches Manifest barocker Bildsprache, ein steinernes Glaubens- und Herrschaftsprogramm, in dem Frömmigkeit, Antikenrezeption und kaiserliche Selbstdarstellung eine Synthese eingehen.
Von hier aus sind es nur wenige Schritte zum Künstlerhaus. Der 1861 gegründete Künstlerverein, ein Zusammenschluss bildender Künstler, ließ sich 1868 ein Kunst- und Ausstellungszentrum erbauen, das zu den historischen Institutionen der Wiener Kunstszene gehörte. Es diente als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst, förderte künstlerischen Austausch, kreative Arbeit und präsentierte regelmäßig wechselnde Programme, Ausstellungen und Events. Das Gebäude liegt prominent am Karlsplatz und war eines der ersten Bauwerke entlang der Wiener Ringstraße.
Besuch der aktuellen Sonderausstellung ist fakultativ.
Freitag, 18. September 2026 – Oberes Belvedere und Gartenpalais Liechtenstein
Das Obere Belvedere in Wien ist ein weiteres bedeutendes Kunstmuseum Österreichs – untergebracht in einem prächtigen Barockschloss. Dieses wurde Anfang des 18. Jahrhunderts als Teil eines barocken Palais-Ensembles für den Feldherrn Fürst Eugen von Savoyen erbaut. Es erhebt sich oberhalb des Unteren Belvedere und ist mit diesem durch einen großartigen Schlossgarten verbunden.
Die Sammlung des Oberen Belvedere bietet einen chronologischen Überblick über 800 Jahre Kunstgeschichte – von mittelalterlichen Altären bis zu Meisterwerken der Moderne. Wir konzentrieren uns auf die Sammlung der Wiener Moderne mit dem größten Bestand an Gustav Klimt-Gemälden weltweit. Sein ikonischer „Kuss“ (Liebespaar) von 1908/09 gehört zu den meistbesuchten Kunstwerken überhaupt. Daneben sind weitere Werke von Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka zu sehen – zentrale Künstler der Wiener Secession und des Expressionismus.
Am Nachmittag besuchen wir das Gartenpalais Liechtenstein, ein prächtiges Barockschloss im 9. Wiener Bezirk, das im späten 17. Jahrhundert für das Fürstenhaus Liechtenstein erbaut wurde. Die Anlage gehört zu den herausragenden barocken Palais bauten Wiens und beherbergt heute einen großen Teil der privaten Kunstsammlungen des Fürstenhauses Liechtenstein, einer der größten und wertvollsten Privatsammlungen Europas. Die Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein umfassen Hauptwerke europäischer Kunst aus fünf Jahrhunderten..
Fakultatives Zusatzangebot:
In Wien wurde 1949 der Film Der dritte Mann gedreht. Der britische Produzent Alexander Korda wollte einen Film über eine physisch und moralisch zerstörte Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg drehen. Die Wahl fiel auf das von den USA, der Sowjetunion, England und Frankreich besetzte Wien, dessen erster Bezirk unter gemeinsamer Verwaltung aller vier Besatzungsmächte stand.
Der Film wurde zu einem beispiellosen Zeitdokument über das Wien der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ein kleines Privatmuseum, von einigen Enthusiasten betrieben, illustriert anhand von Originaldokumenten das tägliche Leben zwischen Hunger, Wiederaufbau, Schwarzmarkt und Demarkationslinien im zerstörten und besetzten Wien. Das Museum hat nur sehr beschränkte Öffnungszeiten, wird aber für Gruppen auf Anfrage geöffnet. Daher brauchen wir Ihre frühzeitige Zusage, falls Sie Interesse haben.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Führung in die unterirdischen Gänge Wiens zu buchen, in denen Teile des Films gedreht wurden. Die Verfolgungsjagd des Orson Welles alias Harry Lime im Film wurde weltberühmt und mit ihr die Wiener Kanalisation.
Samstag, 19. September 2026 – Schloss Schönbrunn oder „Rotes Wien“ und Kirche am Steinhof
An diesem Vormittag möchten wir Ihnen ein zweigeteiltes Programm vorschlagen. Wer gerne noch im Thema Barock bleiben möchte, kann am Vormittag das Schloss Schönbrunn und seine Gärten besuchen. Wer sich mehr für das „Rote Wien“ interessiert, kann sich einer anderen Führung anschließen.
Variante 1: Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn ist die ehemalige Sommerresidenz der Habsburger; seine heutige barocke Gestalt erhielt es im 18. Jahrhundert unter Kaiserin Maria Theresia, die Schönbrunn zum Zentrum des höfischen Lebens machte. Hier wurden Staatsgeschäfte geführt, Feste gefeiert und Geschichte geschrieben – etwa durch den Aufenthalt Napoleons oder die Geburt Kaiser Franz Josephs.
Die vormals kaiserliche Residenz ist ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Innenausstattung und Gartenanlage. Nach einer Führung durch das Schloss bleibt noch Zeit für einen Spaziergang durch die Gärten bis zur Gloriette. Schloss Schönbrunn ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und ein Symbol österreichischer Geschichte und Identität.
Variante 2: Das „Rote Wien“
Wien war im 20. Jahrhundert berühmt für seine fortschrittliche Sozialpolitik. Das "Rote Wien" ist zu einem festen Begriff geworden. In der kurzen Zeitspanne zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs – Wien galt 1918 als eine "sterbende Stadt" – und der Ausschaltung der Demokratie durch den austrofaschistischen Ständestaat im Jahr 1934 wurde Wien neu gedacht und grundlegend umgestaltet. Die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung selbst nannte sich damals nicht ohne Grund "Das Neue Wien". Stellvertretend für viele Projekte besuchen wir am Vormittag den Karl Marx - Hof, der 1926-30 von dem Architekten Karl Ehn geplant wurde, einem Schüler Otto Wagners. Der Baukomplex erstreckt sich auf einer Länge von über einem Kilometer entlang der Heiligenstädter Straße.
Zusätzlich zu den 1.382 Wohnungen für etwa 5.000 Menschen verfügt der Karl-Marx-Hof ursprünglich über zwei Zentralwäschereien mit 62 Waschständen, zwei Bäder mit 20 Wannen und 30 Brausen, zwei Kindergärten, eine Zahnklinik, eine Mütterberatungsstelle, eine Bibliothek und ein Jugendheim, ferner über ein eigenes Postamt, eine Krankenkasse mit Ambulatorium, eine Apotheke und 25 weitere Geschäftslokale.
Im Waschsalon Nr. 2 wird immer noch Wäsche gewaschen, im 1. Stock und im Dachgeschoss befindet sich die Dauerausstellung zur Geschichte des "Roten Wien", die im Anschluss an die Führung noch besichtigt werden kann.
Kirche am Steinhof
Die Kirche am Steinhof gilt als Schlüsselwerk der Wiener Moderne und eine der ersten modernen Kirchen Europas. Sie wurde 1904–1907 nach Plänen des Architekten Otto Wagner in den Formen eines rationalen Jugendstils auf dem höchsten Punkt der ehemaligen Landes-Heil- und Pflegeanstalt am Steinhof im 14. Wiener Bezirk errichtet.
Architektonisch verbindet das Gebäude Tradition und Moderne auf einmalige Weise. Die weithin sichtbare goldene Kuppel geht auf barocke Vorbilder zurück. Sie ruht auf einer modernen Stahlkonstruktion, während die mit Platten aus Carrara-Marmor verkleidete Fassade eine klare, sachliche Wirkung ausstrahlt.
Der helle Innenraum ist von farbigen Glasfenstern von Koloman Moser geprägt. Als Kirche eines psychiatrischen Klinikums konzipiert, verfügt sie über zahlreiche Details – von Sitzbänken über Lampen bis zu Notausgängen – die sie funktional an den Bedürfnissen der ursprünglichen Besucher ausrichtet. Das Gebäude zeigt, wie ästhetische Gestaltung und funktionale Anforderungen auf höchstem Niveau in Einklang gebracht werden können.
Sonntag, 20. September 2026 - Abreise
Heute heißt es schon wieder Abschied nehmen von der Stadt an der Donau. Nach einem entspannten Frühstück am Vormittag fahren wir zum Bahnhof, wo wir gegen 11 Uhr den Zug nehmen, der uns über München nach Karlsruhe fährt, planmäßige Ankunft um 20 Uhr.
Dienstag, 15. bis Sonntag, 20. September 2026
Treffpunkt: Karlsruhe Hbf, Gleis wird noch bekannt gegeben
Reiseleitung: Dr. Elisabeth Spitzbart
Führungen in den Museen: Dr. Katja Förster
xxx € für Bahnfahrt Karlsruhe – Wien – Karlsruhe (über München), 5 Übernachtungen im Motel One an der Staatsoper Wien, Tickets für den ÖPNV, alle Eintritte, Führungen und Reiseleitung
Den Preis werden wir ergänzen, sobald die Fahrkarten für September buchbar sind.
Änderungen vorbehalten!
Das Motel One an der Staatsoper ist ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungen der Stadt zu Fuß oder mit der U-Bahn.. Allerdings ist das Frühstück mit 24,50 pro Tag recht teuer. Wir haben daher nur die Übernachtung gebucht. Wer möchte, kann das Frühstück im Hotel unkompliziert dazu buchen und vor Ort bezahlen. Alternative Frühstücksmöglichkeiten finden sich in der Nähe.
Zuschlag für das Der dritte Mann-Museum: 18 €













